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20August

Blech-Spezialitäten aus dem Elsass

Für die Herstellung von Blechteilen aus hochfesten oder feuerfesten Werkstoffen sind hochleistungsfähige Blechbearbeitungsmaschinen unerlässlich. Dabei sind mit dem Wort „hochleistungsfähig“ in erster Linie Kraft, Prozesssicherheit, Zuverlässigkeit, Robus

Die im deutsch-französischen Grenzgebiet gelegene Region Elsass macht unter Kennern nicht nur durch malerische touristische Attraktionen sowie Speis und Trank von sich reden. Das Elsass ist nämlich auch ein Hightech-Standort für den Maschinenbau und die Metallteile-Zulieferindustrie. Das haben längst viele europäische – vor allem deutsche und französische – Unternehmen erkannt.

Diese lassen bei einer großen Anzahl elsässischer Klein- und Mittelstandsbetriebe verschiedenste Mechanikteile, Baugruppen und Blechteile fertigen. Zu letzteren zählt die für das Elsass typische mittelständische Familienfirma Metallerie Christen Freres s. A. mit Sitz in Vieux-Thann, die in ihrem modernen Betrieb aktuell 12 Fachkräfte beschäftigt. Christen Feres s. A. wird von Franck Christen und seinem Cousin Eric Christen geführt. Beide sehen sich in der Tradition der 1974 von Franck Christen‘s Vater gegründeten mechanischen Werkstätte. Längst haben sie sich zu Spezialisten für Blechteile, Blechbaugruppen und Komplettgeräte entwickelt. Bei Christen sind für die „integrierte“ Blechteilefertigung alle relevanten Technologien versammelt. Gemeint sind Schneiden, Stanzen, Pressen, Schweißen und dergleichen mehr. Für eine wirtschaftliche Produktion stehen den Fachkräften moderne Maschinen und Arbeitsplätze zur Verfügung. Dies wiederum kommt nicht von ungefähr, denn Christen s. A. hat sich, was ebenfalls typisch ist für elsässische Mittelständler, ein eigenes Produktprogramm zugelegt und fertigt dieses auch komplett selbst. Darüber hinaus werden die somit vorhandenen Kompetenzen und Kapazitäten für Zuliefer- und Dienstleistungen genutzt. Beim Eigenprogramm von Christen s. A. handelt es sich um Kaminöfen für Wohnräume sowie um Grillgeräte und Pizzaöfen für den semiprofessionellen und den professionellen Gebrauch. Die Öfen wie die Profigeräte bestehen weitgehend aus feuerfesten Blechwerkstoffen (Cor-Ten 500 N/mm2). Diese sind in der Praxis nicht so ganz einfach zu bearbeiten. Das Know-how dafür nutzt Christen deshalb auch für die Herstellung von Kunden-Blechteilen aus hochfesten Werkstoffen. Denn dafür ist, wie schon angedeutet, auch der anforderungsgerechte – sprich leistungsfähige – Maschinenpark vorhanden.

Keine Chance für „normale“ Blechbearbeitungsmaschinen

Dazu sagt Franck Christen: „Herkömmliche mechanische Scheren und Stanzmaschinen und auch Abkantpressen geraten bei uns sehr bald an ihre Grenzen. Denn die feuerfesten oder die hochfesten Werkstoffe, die wir bis 6 mm Dicke verarbeiten, verlangen einfach mehr Schneid-, Stanz- und Presskräfte. Außerdem haben wir zwar eine gewisse Serienfertigung, weil wir die Kaminofenteile in Chargen von 50 bis 100 Stück fertigen. Für alle peripheren Arbeiten, und hauptsächlich für die Einzelfertigung sowie für Schnellschüsse bei den Zulieferaufträgen, brauchen wir jedoch eine hohe Flexibilität. Mit den bekannten Hightech-Supermaschinen können wir hier somit nicht viel anfangen, weil sie wegen der hohen Belastungen zum einen zu schnell verschleißen und zum anderen sind sie für uns einfach zu unwirtschaftlich. Aus diesen Gründen haben wir nach einem Partner für Blechbearbeitungsmaschinen gesucht, der uns auch wirklich versteht und auf unsere speziellen Wünsche eingeht. Mit der süddeutschen Firma Boschert haben wir einen geeigneten Partner gefunden. Die Stanzmaschine Boschert TRI 1500 x 3000 CNC Z und weitergehend eine Sonder-Abkantpresse von Boschert mit 120 Tonnen Presskraft wurden nach unseren Wünschen angepasst. Bis heute überzeugen sie uns durch ihre Leistungskraft, Robustheit, Bearbeitungsgenauigkeit und Zuverlässigkeit.“ Bei der Boschert-Stanzmaschine TRI 1500 x 3000 CNC Z handelt es sich „fast“ um eine Standardmaschine. Für die effiziente Komplettbearbeitung von Blechteilen ist sie jedoch mit drei Stanzköpfen und jeweiligem Werkzeugschnellwechselsystem ausgerüstet. Dadurch lassen sich die Wechselzeiten sehr gering halten. Bei den häufig anstehenden Einzelteilen, Kleinserien und Chargen hilft dies, die unproduktiven Nebenzeiten zu minimieren und somit die Produktivität zu steigern. Das trifft auch auf das Materialklemmsystem mit gesteuerten Spannzangen, das X-Y-Koordinatensystem für den Transport und die Positionierung des Rohblechs sowie des zu bearbeitenden Blechteils zu. Hier sorgen starke Achsantriebe und Kugelrollspindeln sowie Hochleistungs-Linearführungen (Kugelumlaufführungen) für eine hohe Dynamik und reproduzierbare Genauigkeit. So lassen sich die Produktionsprozesse optimieren.

Komplettbearbeitung von Blechteilen inklusive Gewindeschneiden

Eine weitere Besonderheit bei der Ausrüstung der Stanzmaschine ist eine voll integrierte Gewindeschneideinheit. Dadurch können die Blechteile noch auf der Stanzmaschine mit Gewinden versehen werden. Aufwändige Nacharbeiten an anderen Arbeitsplätzen entfallen gänzlich. Rechnet man nun noch die Revotool-Ausrüstung mit multifunktional nutzbaren Stanzwerkzeugen, wobei hier wahlweise und je nach Durchmesser 8 (16 mm Durchmesser), 6 (20 mm Durchmesser) oder 4 (25 mm Durchmesser) Stanzwerkzeuge zum Einsatz kommen, und des weiteren die Rotations-Funktion zum Verdrehen und Indexieren der Revotool-Werkzeuge im Bereich von 360°, dann wird schnell klar, dass hier Komplettbearbeitung in perfektionierter Form praktiziert wird. Ähnlich sieht es auch in der Biegetechnik-Abteilung von Christen s. A. aus, in der die erwähnte Sonder-Abkantpresse universell und flexibel zum Einsatz kommt. Sonderpresse heißt im Falle Christen, dass hier bei kompakten Abmessungen ein nutzbarer Werkzeugraum von 2.500 mm Breite und 300 mm Freiraum zwischen Tisch und Stößel-Unterkante gefordert war. Hinzu kamen 200 mm Z-Hub und für die Aufnahme von speziellen Werkzeugen und Vorrichtungen ein sehr breiter Tisch. Zudem wurde ausreichend Presskraft zum Stanzen großer Löcher und Ausbrüche in feuerfeste/hochfeste Bleche sowie zum Prägen besonderer Formen in feuerfeste Bleche benötigt. Nicht zuletzt musste sich der Stößel auch bei einseitigen Belastungen absolut parallel absenken lassen. Der Blechbearbeitungs-Spezialist Boschert GmbH & Co. KG mit Sitz in Lörrach-Hauingen entwickelte hierzu unter anderem einen hoch belastungsfähigen, robusten Pressenantrieb. Dieser besteht aus zwei Hydraulikzylindern, einer stabilen Torsionswelle und einem Ausgleichssystem zum exakt parallelen Absenken des Stößels unter Last. Schließlich musste die Sonderpresse 120 Tonnen, in Bezug auf die Konstruktion und den Bau des Grundkörpers sowie die Auswahl und den Einbau der Komponenten, auch dahingehend konzipiert werden, regelrechte „Schläge“ wirkungsvoll zu absorbieren. Denn diese treten beim (Durch-)Stanzen des sehr schwer zu bearbeitenden feuerfesten Werkstoffs Cor-Ten 500 N/mm2 auf.

Die ideale Kombination: CNC-Hightech und robuster Maschinenbau

Franck Christen äußerte sich abschließend wie folgt: „Nachdem schon unser Vater mit einer Boschert-Ausklinkmaschine, die übrigens heute noch voll im Produktionsbetrieb ist, sehr gute Erfahrungen machte, können wir nun selbiges von der Universal-Stanzmaschine TRI und von der Sonderpresse berichten. Wir arbeiten hier traditionell wie überhaupt in ganz Frankreich nur einschichtig und müssen deshalb buchstäblich voll ran, um die Wirtschaftlichkeit und Wettbewerbsfähigkeit zu gewährleisten. Die anforderungsflexibel genutzten Boschert-Maschinen sind sehr robust und äußerst zuverlässig. Und weil sie bei uns quasi als die beiden „Produktionstechnik-Herzen“ fungieren, kommt ihnen in jeder Hinsicht zentrale Bedeutung zu. Allein von den Kaminöfen, die je nach Ausführung aus 40 bis 250 Einzelteilen bestehen, und von denen es 15 Typen und weitere fünf Varianten gibt, produzieren wir jährlich etwa 3.500 Stück. Inklusive der Einzel- und Serienteile für die Kunden, haben wir pro Monat einen Ausstoß von rund 30 Tonnen an Kaminofenblechen und Blechteilen aus dem besonderen Werkstoff Cor-Ten bzw. anderen hochfesten Blechen. Das müssen die Boschert-Maschinen jahrein jahraus bewältigen. Und auch bezüglich Flexibilität sind sie voll gefordert, denn wir schleusen hier pro Jahr etwa 1.500 lebende Teile oder zumindest CNC-Programme durch, was im Klartext heißt, dass wir im Normalfall jeden Tag mehrfach auf neue Teile umrüsten“. Dass die Firma Christen s. A. sich sowohl für die „eigenen“ Kunden des Kaminofenbaus wie für die Zulieferkunden ins Zeug legt, ist auch daran zu sehen, dass die Lieferzeit für Ofen- wie für Kundenteile nach Abruf nur etwa zwei Tage beträgt, Sonderteile kurzfristig innerhalb von fünf Tagen, und komplette Prototypen-Baugruppen oder -Geräte innerhalb von gut drei Wochen zu haben sind. Was natürlich einerseits ein eingespieltes Team und andererseits eben einen flexibel-leistungsfähigen Maschinenpark voraussetzt.

090506_Boschert_Christen Franck Christen, Geschäftsführer der Firma Christen Feres s. A., vor der ersten von Boschert vor über 20 Jahren gelieferten Ausklink-/Stanzmaschine, die bis heute voll im Produktionsbetrieb eingesetzt ist.
090506_Boschert_Christen Die Universal-Stanzmaschine Boschert TRI Rotation 1500 x 3000 CNC Z mit dem Revotool-Werkzeugsystem wurde hier kombiniert mit einem Vakuum-Handlingsystem zur Beschickung der Maschine mit bis zu 6mm dicken feuerfesten/hochfesten Blechen.
090506_Boschert_Christen Die TRI-Stanzeinheit mit drei Stanzköpfen und mit zusätzlicher Revotool- sowie Rotations-Ausrüstung für den flexiblen Einsatz mehrere Stanzwerkzeuge zur kompletten Blechbearbeitung anspruchsvoller Teile in einer Aufspannung.
090506_Boschert_Christen Die von Boschert konzipierte und gebaute Sonderpresse PB 2120 mit 120 Tonnen Presskraft zum Abkanten und Prägen sowie u. a. zum Umformen feuerfester (Cor-Ten 500 N/mm2) und hochfester Bleche für den Kaminofen- und Apparatebau.
090506_Boschert_Christen Ein umgeformtes Kaminofen-Blechteil aus Cor-Ten 500 N/mm2. Für den massiven Umform-/Drückprozess sind punktuell sehr hohe Presskräfte erforderlich.

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