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30Juli

Warum Boschert in seinen Nischen so erfolgreich ist

…mit einem Lächeln empfangen werden

Von Günter Kögel

Qualität, Kundenzufriedenheit und Freude am Maschinenbau – wer ein
Unternehmen sucht, bei dem diese Kriterien gelebt werden, ist bei Boschert an
der richtigen Adresse. In Lörrach entstehen seit fast 30 Jahren
Blechbearbeitungsmaschinen mit Herz und Seele. Den Massenmarkt muss das
115-Mann-Unternehmen zwar weitgehend anderen überlassen, doch in vielen
Nischenmärkten stehen Boschert-Maschinen tagein-tagaus ihren Mann – mit
Fähigkeiten, die über jeden Zweifel erhaben sind.

 

„Wir wollen zu unseren Kunden kommen und mit einem Lächeln empfangen werden.
Das ist uns viel wichtiger als 200.000 Euro mehr Umsatz.“ Wer Boschert-Chef Peter
Kunz kennen gelernt hat, der weiß, dass dies kein marketing-geprägtes
Lippenbekenntnis ist, sondern praktiziertes Unternehmertum der etwas anderen Art.
Dazu passt auch die bewusste Distanzierung von vielen Dingen, die heute in der
Industrie gang und gäbe sind. So zum Beispiel Wertanalyse („haben wir noch nie
gemacht – unsere Maschinen kosten vielleicht ein paar Euro mehr, dafür
funktionieren sie aber auch“), Richtzeiten („brauchen wir nicht, ich vertraue meinen
Mitarbeitern“) oder Finite Elemente Analyse („es mag ja sein, dass viele unserer Teile
überdimensioniert sind, aber ich will ruhig schlafen können“).
Dazu gehört auch das Ziel, das Kunz allen Boschert-Mitarbeitern als oberste Priorität
vorgegeben hat: „Wir bauen Maschinen, mit denen unsere Kunden Geld verdienen
können.“ Oder mit anderen Worten: Jede Aufgabe wird so gut wie möglich und nicht
so billig wie möglich gelöst. Während so mancher Hersteller sich von dieser ehemals
typisch deutschen Vorgehensweise abgewandt hat, um preislich auf dem Weltmarkt
mithalten zu können, sieht Kunz genau darin seine Chance gegenüber den
Billiglohnländern und ist überzeugt: „Ich glaube nicht daran, dass ich ein
Maschinenbauprodukt in Polen billiger bauen kann als hier.“
Dies bestätigen auch die Verkaufszahlen von Boschert: Trotz vielfach beklagter
Standortnachteile werden von Boschert 60 Prozent aller Maschinen exportiert –
Tendenz steigend. Darunter sind viele sehr einfache Systeme, die noch viel mehr
unter dem Preisdruck aus dem Ausland leiden als komplexere Anlagen. Zum Beispiel
Boscherts bekanntestes Produkt für die Blechbearbeitung: Ausklinkmaschinen der
verschiedensten Ausbaustufen, mit denen das Familienunternehmen übrigens 1973
in die Blechbearbeitung eingestiegen ist und von denen inzwischen mehrere
Tausend produziert wurden. Gerade bei diesen einfachen Maschinen zeigt sich
überdeutlich, was Qualität heißt: Fast alle von Boschert produzierten
Ausklinkmaschinen sind immer noch einsatzbereit. Davon, dass die Systeme über
viele Jahre ihre Qualität halten, zeugen auch die Garantiezeiten für die
Ausklinkmaschinen: zehn Jahre auf das patentierte Führungssystem und ein Jahr auf
die Werkzeuge.


Für die Blechbearbeiter hat Boschert aber weit mehr zu bieten, als nur die
Ausklinkmaschinen. Schon seit 1978 produzieren die Lörracher Stanzmaschinen, seit
1980 mit CNC-Steuerung, seit 1992 mit bis zu drei Stanzköpfen und seit 2004 als
High-End die Stanz-Plasma-Kombination CombiCut, mit der Boschert eine
kostengünstige Alternative zu den etablierten Stanz-Laser-Kombis auf den Markt
brachte. „Wir haben inzwischen acht CombiCut ausgeliefert und alle Kunden sind
hochzufrieden. Wir können alle Bleche ab 1 mm Dicke sehr gut bearbeiten und
erhalten eine Schneidqualität, die sehr nahe am Laser liegt – aber wesentlich
kostengünstiger ist“ erklärt Verkaufsleiter Michael Roser stolz. Die Fähigkeiten der
Maschine haben sich mittlerweile herumgesprochen und so verlässt praktisch jeden
Monat eine Stanz-Plasma-Kombi das Werk in Lörrach.
Mit diesem System ist Boschert nicht mehr weit vom dem Bereich, den das
Unternehmen eigentlich meidet: dem Massenmarkt. Bei einem Stundensatz, der weit
unter der Hälfte eines Stanz-Laser-Kombi liegt, erreicht das System eine Qualität, die
nach Erfahrung von Boschert für 85 bis 90 Prozent aller Bauteile ausreicht. Weiterer
Vorteil ist die größere Bandbreite an bearbeitbaren Teilen, denn während eine Stanz-
Laser-Kombi bis etwa 8 mm Blechdicke eingesetzt werden kann, lassen sich mit der
CombiCut von Boschert Bleche von 0,5 bis 12 mm Dicke schneiden und umformen –
heißt mit Gewinden, Kiemen und sonstigen Umformungen versehen. Bei den derzeit
sehr gefragten Materialien Aluminium und Edelstahl schneidet das von Boschert
verwendete Kjellberg HiFokus 160i Plasmaschneidsystem sogar schneller als die
üblichen Laseranlagen. Dies alles bei einem Minimum an Wartungsaufwand, denn
sämtliche Verschleißteile befinden sich im Brenner, der in wenigen Sekunden
ausgetauscht werden kann. Wartungsverträge oder Ähnliches sind deshalb nicht
nötig.

Vergleiche, die Boschert an realen Bauteilen durchführte, brachten denn auch immer
wieder das gleiche Ergebnis: Gegenüber den Stanz-Laser-Kombis ist die neue
Stanz-Plasma-Kombi bei den Fertigungskosten um Faktor 3 bis 4 günstiger. Einfache
Erklärung von Michael Roser: „Der Laser initiiert eine Qualität, die oftmals nicht
benötigt wird, aber vom Kunden bezahlt werden muss.“
Boscherts Fazit zur CombiCut: Das Plasmaschneiden bietet immer dann eine
Alternative zum Laser wenn die Schnittqualität des Plasmas mit einem Schnittspalt
von 1,2 mm und einer Toleranz von etwas mehr als 0,1 mm ausreicht, die
Materialdicke kleiner als 12,5 mm ist und es sich – Voraussetzung zum
Plasmaschneiden – um einen elektrisch leitenden Werkstoff handelt. Große Vorteile
hat das System insbesondere bei komplexen Innen- und Außenkonturen, bei
Unebenheiten im Material, wenn Kiemen, Sicken, Gewinde und andere
Umformungen zu fertigen sind und wenn die Materialoberfläche verzinkt, spiegelnd,
poliert, glänzend, lackiert, folienbeschichtet oder angerostet ist.
Abseits von der 2004 erfolgten Vorstellung der Stanz-Plasma-Kombi gab es in
diesem Jahr bei Boschert noch eine weitere Weichenstellung: 2004 auch die
Kooperation mit Gizelis, dem führenden griechischen Abkantpressen-Hersteller,
dessen Pressen Boschert in Deutschland exklusiv vertreibt. Während die von
Boschert selbst entwickelten und 2002 erstmals vorgestellten eigenen
Abkantpressen als extrem einfach zu bedienende, aber durch den Verzicht auf
Sicherheitseinrichtungen nur sehr langsame Beistellmaschinen konzipiert sind, mit
denen sich einfache Teile ohne großen Bedienaufwand kostengünstig herstellen
lassen, sind die Gizelis echte Produktionsmaschinen, die sich mit ihrer Ausstattung
nicht verstecken müssen: Die Steuerung stammt von Cybelec, Werkzeuge und
Bombierung von Wila und die Hydraulik von Bosch Rexroth.
Trotzdem war es nach Worten von Boschert Geschäftsführer Peter Kunz ein hartes
Stück Arbeit, die Gizelis auf den Stand zu bringen, dass sie nicht nur alle EU-Normen
erfüllen, sondern dass Peter Kunz auch bei den inzwischen mehr als 40 von
Boschert verkauften Systemen angesichts deren Stabilität und Zuverlässigkeit ruhig
schlafen kann und nicht befürchten muss, den über viele Jahre erarbeiteten guten
Ruf von Boschert durch Produkte des griechischen Partners zu gefährden. Damit
dies auch defi nitiv so bleibt, wird übrigens jede Gizelis-Abkantpresse vor der
Auslieferung an den Kunden im Lörracher Boschert-Werk aufgebaut und auf Herz
und Nieren geprüft, wobei noch eventuell vorhandene Mängel behoben werden.
Durch die Kooperation mit Gizelis kann Boschert jetzt in der Blechbearbeitung als
Komplettanbieter auftreten, der dort Akzente setzt, wo es noch Unterschiede gibt. Bei
Abkantpressen gar nicht so einfach, denn nach Überzeugung von Peter Kunz sind
bei den weltweit etwa 150 Herstellern von Abkantpressen die verwendeten
Komponenten weitgehend gleich. Wenn die Presse dann noch – wie die Gizelis –
einen guten Stahlbau, vernünftige Führungen und einen guten Hinteranschlag hat, ist
zwar schon viel gewonnen, ein Unterscheidungsmerkmal zu anderen Herstellern fehlt
aber immer noch. Bleibt zur Abgrenzung der Service und genau hier setzt Boschert
an: „Der Service ist das A&O. Bei uns ist immer jemand da, der sich um die Sorgen
und Nöte unserer Kunden kümmert. Dafür sind wir bekannt und damit können wir
unsere Kunden auch für eine Boschert-Abkantpresse begeistern.“

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